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Das waren die 10. Tage der Typografie

Trotz vieler weiterer Typografieveranstaltungen Ende Mai/Anfang Juni kamen auch in diesem Jahr 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins IMK nach Lage-Hörste, um sich in Workshops kreativ zu betätigen, sich weiterzubilden und mit anderen Leuten auszutauschen. Abgerundet wurde das Programm durch Vorträge von Jan Middendorp und Ralf de Jong sowie die »Open Stage«, bei der die Teilnehmer/innen eigene Arbeiten präsentierten. Das Konzert von Jazzy Breeze bidete am Samstag abend den musikalischen Abschluss nach zwei Tagen Arbeit in den Workshops.

Neben den Dokumentationen auf dieser Seite, die nach und nach veröffentlicht werden, möchten wir auf die Berichte und Fotos auf Fontblog, Das Firmament und flickr hinweisen. Außerdem haben Wolfgang und Ahmed vier Kurzfilme zu den Workshops aufgenommen und zusammengeschnitten. Die Filme (jeweils etwa 4 Minuten) könnt ihr euch auf der Website des IMK herunterladen.

Nächstes Jahr ist das Fronleichnamswochenende vom 11. bis 14. Juni, wir werden ab Oktober über die 11. Tage der Typografie informieren.

Juni 11th, 2008

Pixelschriften – Dokumentation

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On a Friday morning at 9.00 I was greeted by a group of 12 people (and a surprise appearance of Jan Middendorp) who were eager to spend two full days drawing and designing type. The group was a lively mixture of experienced graphic designers, design students and graphic industry professionals. Some had already designed a couple of typefaces and others were completely new to the subject.

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The briefing for the workshop that I wrote some weeks beforehand was this:
“Bitmap typefaces have long been popular on computers and continue to be used on low resolution screens of mobile phones, MP3 players and domestic appliances. With most of these devices there comes a point when the resolution of the screen becomes high enough to replace the bitmap typeface with one drawn in vectors. One such example is the Nokia Sans typeface designed by Erik Spiekermann.
During this workshop participants will be challenged to design an alpabet based on this principle. The design process will be done completely manually through the use of paper, pencils, erasers and fineliners.”

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Simply put, the workshop was about manually drawing a new typeface based on an existing pixel typeface. For this purpose I brought printouts with me of three existing typefaces: Georgia (rendered in 16 pixels height), Helvetica (also rendered in 16 pixels height) and Clairsys (a pixel typeface I have designed myself). The names of these typefaces I kept deliberatly secret to avoid any influences in the individual design processes.
After a presentation about the principles and various strategies for designing typefaces based on pixel shapes, everyone was challenged come up with one or more proposals within four hours time. The only tools that were available were transparent paper, pencils, erasers, fineliners, felt tips and a photocopier.

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So after these four hours all proposals were presented in front of the group and definitive directions were chosen for every individual participant. From there on the slow, grinding and solitary process of designing a typeface started for everyone. I prepared a small manual with the basic rules for designing a typeface and with the help of two felt tips that were bound together (acting as a surrogate broadnibbed pen) I was able to explain additional details.

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After a long Friday (some people spent the evening perfecting their work as well) an even longer Saturday followed where everyone worked immensely hard to finish their typeface and had to make a presentation for it. For most participants the Saturday evening was still required to finish their work and therefore they skipped the jazz concert and the performance by DJ Play. But luckily for these people the beer vending machine was fully stocked and a sudden guest performance by DJ Pixel still made for a long and enjoyable night.

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In conclusion I can say that to design (and draw!) a full a to z lowercase in just two days is by no means a small feat and I am seriously pleased with the outcome. Also the concept of spending three days with each other in a closed environment creates a great atmosphere which was only aided by some very nice lectures and great food.

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Juni 10th, 2008

Workshop Titeleien – Dokumentation

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Hochgesteckte Ziele hatten wir uns gesetzt: Titeleien und Umschläge für vier Bücher sollten an zwei Tagen entstehen, sozusagen je eines zwischen den Mahlzeiten. Zur Auswahl standen Themen wie z.B. ein Goetheband, ein Buch über die Schlacht im Teutoburger Wald, eine Bibel, ein Kochbuch, ein Telefonbuch, Architekturführer, Die Kunst der Typografie von Paul Renner, ein Schulbuch, Paul Auster, Neckermann, illustriertes Jugendbuch, Reiseführer, Ausstellungskatalog, ein Lexikon oder der Arzt, dem die Frauen vertrauen. Und das alles analog realisiert.
Bereits am ersten Morgen zeichnete sich jedoch ab, dass wohl eher die Mahlzeitenzahl reicher und die Bücher weniger werden würden …

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Nach einem einführenden, theoretischen Vortrag über den Aufbau von Büchern, Terminologie, Gepflogenheiten und DIN-Normen begannen wir mit einer Vorstellungsrunde und den ersten Trockenübungen – Ideen, Konzepten und Skizzen für wenigstens zwei Bücher. Zur Kaffeepause wagten wir eine Annäherung an das überquellende Materiallager und bewaffneten uns mit Werkzeugen, die einigen von uns noch nicht recht geläufig waren. Zur Verdauung und Anregung nach dem Mittagessen folgte ein weiterer kleiner Vortrag mit Beispielbildern zu allen Buchteilen und Umschlägen, gespickt mit Arbeiten von Jost Hochuli, Karel Martens, Hans Peter Willberg und Jan Tschichold.

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Besonders viel Spass machte mir die bunte Mischung an Teilnehmern, die sich gegenseitig befruchtete. Einige alte Hasen brachten ihre jahrzehnte lange Erfahrung in Klebe-Typografie und Layout-workarounds mit ein, andere wiederum schnupperten zum ersten Mal den süchtig machenden Duft des Fixogums. Aber spätestens nach dem Kuchenbüffet fand jeder zu einer realisierbaren Idee und die ersten Bücher nahmen Gestalt an.

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Am zweiten Tag dann waren wir vollends in unserem Element. Nicht nur untereinander, auch Workshop-übergreifend wurden Zulieferarbeiten beauftragt, frische Schriften von oben gemopst oder Abzüge nebenan< bestellt. Wir probierten Schreibfedern, schraffierten, rissen Buchstaben aus Papier und schnitten Schablonenschriften.

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Mit dem Kopierer auf Du und Du und dem Skalpell bewaffnet schlachten wir Verdi- Werbeblättchen bild- und buchstabenmäßig aus und der sonst so essentiell erscheinende Computer geriet ganz in Vergessenheit. Nur gegen Ende entdeckten wir, dass es sich mit Musik noch beschwingter arbeiten ließ und holten das Macbook hervor.

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Wunderbare Entwürfe sind in den zwei Tagen entstanden, beseelt vom der Lust am handwerklichen Arbeiten, das uns zu neuen Ideen für die Gestaltung von Büchern inspirierten. Mir hat der Workshop richtig Spass gemacht!

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Juni 10th, 2008

Odyssee 2010 – Dokumentation

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Analog zu dem 10. Jubiläum der Typotage nahmen wir uns das Jahr 2010 vor, um individuelle Kalender zu gestalten.
Vorgabe war das Hochformat DIN A 3, verschiedene Kalendarien lagen vor. Ziel war, heutige mit alter Technik zu verbinden: Fotokopie, Hochdruck mit Holz- und Bleilettern sowie künstlerische Medien wie Farbwalzen, Druck mit ungewöhnlichem Material (Blätter, Baumaterial, Pflanzen usw.).
Jede/r Teilnehmer/in gestaltete ein Kalenderblatt und produzierte dies in einer Kleinauflage. Schließlich wurden die Kalender gebunden und an die Teilnehmer/innen verteilt.
Workshop-Leiterinnen: Renate Dölzer, Angelika Götz

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(Fotos: Ernst Schöppe)

Juni 10th, 2008

Ein echter Renner! – Dokumentation

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Paul Renner würde dieses Jahr seinen 130. Geburtstag feiern, die Futura wie wir sie heutzutage kennen wird 80 Jahre alt – Grund genug, auf dem 10-jährigen Jubiläum der Tage der Typografie einen Workshop zum Thema »Ein echter Renner!« zu halten.
Trotz Aussagen wie »Ich hätte ja gerne einen Workshop bei euch gemacht – aber nicht mit der Futura!« oder »Eigentlich finde ich die Futura total scheiße!« fanden sich 14 Teilnehmer in unserem Workshop zusammen, um eine Plakatserie (Konferenz, Ausstellung, Typewalk) zum Jubiläumsjahr zu gestalten.
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Dazu gab es erst einmal zwei Vorträge mit inhaltlichem Input zur Person von Paul Renner sowie zur Entstehungsgeschichte der Futura sowie ein Brainstorming, das zu einem umfangreichen Stichwortschatz führte.
Nach kurzen Überlegungen, wie eine Plakatserie überhaupt zu konzipieren sei und welche Möglichkeiten der Wiedererkennung zur Verfügung stehen, gingen die Teilnehmer dann an die Arbeit. Schließlich waren zu diesem Zeitpunkt auch nur noch eineinhalb Tage Zeit …
Vor der eigentlichen Umsetzung wurden die Ideen und Konzepte innerhalb des Workshops präsentiert, dann ging es mit Schere, Stiften, buntem Papier und Klebstoff zur Sache. Abbildungen sowie Blindtext in verschiedenen Schnitten wurden von uns gestellt.

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Wie immer bei den Workshops sah der Raum am Samstag Nachmittag etwas abenteuerlich aus, wurde jedoch am Abend mit tatkräftiger Hilfe aller Teilnehmer schnell wieder für die Präsentation am Sonntagmorgen ansehnlich hergerichtet.

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Die unterschiedlichen Arbeiten, die in so kurzer Zeit entstanden sind, haben uns wirklich begeistert und beeindruckt, und uns hat der Workshop viel Spaß gemacht.

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Juni 9th, 2008

3 Fragen an Paul van der Laan

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Was ist deine liebste Schrift und warum ist es gerade sie?
Kann man einen Musiker nach dessen Lieblingssong fragen? Oder einen Autor nach dessen Lieblingsliteratur? Diese Frage kann man unmöglich mit nur einer Schrift beantworten, daher werde ich stattdessen einige Schriften nennen, die ich aus besonderen Gründen schätze.

Die schönste Antiqua, die ich kenne, ist die Lexicon von Bram de Does. Ich kann mich noch erinnern, als ich sie das erste Mal, auf Schulcomputern installiert, entdeckte – irgendwann um 1994, ich war noch Grafikdesign-Student und Internet war für Normalsterbliche noch nicht verfügbar. Ich rannte sofort hinaus und kaufte mir eine Packung neuer Disketten, um die Schrift sofort zu kopieren!
Der Grund, weshalb sie mir so zusagt, ist ihr Liebreiz bei gleichzeitig vorhandenen maskulinen Details. Sie wirkt traditionell, jedoch nicht altmodisch. Für längere Texte, besonders in kleinen Schriftgraden, gibt es keine besser lesbare Schrift.
Untersucht man die Lexicon, so findet man so viele innovative Eigenschaften, die ihre Lesbarkeit verbessern, dass klar wird, dass diese Schrift von einem sehr erfahrenen Schriftdesigner gestaltet worden sein muss. Die Lexicon wurde oft kopiert und doch nie übertroffen und ist für mich als Schriftgestalter ein inspirierendes Beispiel.

Obwohl ich kein großer Fan des Modernismus bin, hege ich großen Respekt vor der Univers von Adrian Frutiger. Dies liegt zum großen Teil an der Tatsache, dass die Univers als erste Schrift von vornherein als eine Schriftfamilie mit verschiedenen Stärken und Schnitten konzipiert wurde. Heutzutage ist es ziemlich einfach, umfangreiche Schriftfamilien mittels Interpolierung herzustellen, damals wurden jedoch alle 27 Originalschnitte der Univers von Hand gezeichnet und trotzdem passen sie alle perfekt zueinander. Die breiten Schnitte sind etwas fetter als deren normale Entsprechungen, damit der Grauwert erhalten bleibt. Aus dem selben Grund sind auch die mageren Schnitte etwas leichter gehalten.
Abgesehen davon ist die Univers ein hervorragender Entwurf, mit sehr ausgeglichenen Proportionen und Formen, zeichnerisch extrem gut ausgeführt und für eine solch neutrale Schrift mit relativ großen Unterschieden im Kontrast zwischen dick und dünn. Es ist sehr schade, dass der Helvetica in letzter Zeit so viel Aufmerksamkeit zukam, denn die Univers – letztes Jahr ebenfalls 50 geworden – ist die bessere Schrift.

Die letzte Schrift, Susan Kares Chicago (in der original Pixel-Version) erwähne ich aus gänzlich anderen Gründen als den vorhergehenden. Die Chicago, entworfen in den frühen 80ern, ist für mich die ultimative Apple-Schrift. Ohne zu nostalgisch klingen zu wollen, doch sie erinnert mich sofort an meinen ersten Macintosh mit System 7.
Chicago ist weder elegant noch raffiniert, erledigt ihre Aufgabe jedoch sehr gut: sie funktioniert perfekt in kleinen Auflösungen im Mac-Interface und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Sie hat mein Interesse am Konzept von Interface-Schriften geweckt, ein Bereich innerhalb der Typografie, in dem ich zeitweise arbeitete.
Leider ist die Chicago nicht mehr als Interface-Schrift im OS X vorhanden, daher halte ich meinen iPod der zweiten Generation in Ehren, welcher sie noch immer verwendet.

Was macht für dich Typografie aus?
Alles hängt von der Zeit ab, die ich für einen Text aufwenden muss. Sind es mehr als 15 Minuten, kann ich sehr pingelig werden, schlechte Typografie kann mich ernsthaft verärgern und sogar abstoßen. Das gilt für das User-Interface meines Computers, die Standardschrift meiner Textverarbeitungs-Software oder Zeitungen und Magazine. Ab und an entscheide ich mich auch gegen den Kauf eines Buches, weil ich den Satz schrecklich finde. Selbst wenn ich weiß, dass die Geschichte in dem Buch großartig ist, bin ich sicher dass mir die schlechte Typografie so zusetzen würde, dass ich keine Freude mehr am Buch hätte.

Welches typografische Projekt würdet ihr gerne realisieren?
Als Student träumte ich vom Entwerfen eines Autobahn-Leitsystems für mein Land. Teils, weil ich das vorhandene System ziemlich hässlich fand, teils, weil ich die Vorstellung, meine Schrift überall sehen zu können, großartig fand. Leider bekam Gerard Unger den Auftrag bereits in den 90ern und mein Traum wurde zerstört!
Heutzutage wüsste ich kein spezielles Projekt dass mich über alle Maße reizen würde. Allgemein habe ich festgestellt, dass die Aufträge, in denen meine Schriften dreidimensional ausgeführt werden – etwa Gebäudetypografie – mir die größte Genugtuung verschaffen. Vielleicht liegt es daran, dass dies etwas ist, was (hoffentlich) eine längere Zeit überdauert, da die meisten anderen Projekte allzu schnell zu Altpapier werden können.

Kommentar hinzufuegen Mai 4th, 2008

Jazzy Breeze

Am Samstag Abend wird Jazzy Breeze, eine Latin-Combo, die sich der Interpretation traditioneller und moderner Jazz-Fusionen mit südamerikanischer Prägung verschrieben hat, im Rahmen der Tage der Typografie auftreten.

Der sanfte lyrische Bossa Nova von Carlos Jobim, der feurigere Samba eines Jorge Ben, der harmonische Reichtum moderner Spielarten Ivan Linz’ und Ana Carams, sowie Standards und Eigenkompositionen aus Pop und Latin-Jazz
gehören zum Programm von Jazzy Breeze. Arrangements in weichen und spritzigen Farben für zwei Gitarren, Querflöte, Gesang und Percussion sollen den aufmerksamen »Hinhörer« wie auch den »Entspannung suchenden Konsumenten« begeistern.

Jazzy Breeze sind:
Ellen Skrodzki-Senge – Gesang / Gitarre / Bass
Lena Senge – Gesang / Querflöte
Mario Senge – Gesang / Gitarre
Winfried Axmann – Drumset / Percussion

Kommentar hinzufuegen Mai 3rd, 2008

3 Fragen an Indra Kupferschmid

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Was ist deine liebste Schrift und warum ist es gerade die?
Ich formuliere das mal um:
Was ist gerade deine Schrift und warum ist sie lieb?

Eine Lieblingsschrift für alles und immer kann man, sobald man sich ein bisschen im Fach tummelt, eigentlich nicht mehr haben. Ständig kommen neue gute dazu oder entdeckt man alte Klassiker wieder, die man gerne mal benutzen würde – aber es kommt und kommt einfach keine Gelegenheit. So geht es mir seit etwa 1997 mit der Elektra von Dwiggins. Sie ist unglaublich eigenwillig, aber in kleinen Größen guckt sich das weg und man liest wunderbar. Irgendwo habe ich sie neulich als Brotschrift in einem Magazin oder so gesehen, da war ich neidisch. Ebenfalls seit ungefähr zehn Jahren spare ich auf Ruse und Collis (bin noch dabei).

Bis dahin benutze ich gerade gerne die Custodia von Fred Smeijers. Sie ist sicher die schludrigste seiner Schriften, die ich übrigens außer der Fresco alle sehr mag. Ich habe aber wohl auch noch nicht die finale Version, könnte noch das ein oder andere Unterschneidungspaar gebrauchen und die Ziffern hüpfen etwas. Allerdings macht gerade das das Schriftbild sehr interessant: wenn nicht alles perfekt und mathematisch auf einander abgestimmt ist. Eher »tote« Schriften sind in den letzten Jahren zur genüge erschienen, vor allem serifenlose. Von den Grotesk-Schriften mag ich daher auch die alte Folio z. B. sehr gerne, benutze aber selber meist Vectora.

Was macht für dich Typografie aus?
Sie macht mir das Leben leichter. Sie ordnet Texte, die ich lesen soll, so vor, dass es schneller geht, oder ich manches auch nur überfliegen kann und hoffentlich trotzdem das Wichtigste mitbekomme. Und sie sagt mir schon von außen, ob »das« überhaupt für mich gedacht ist und ich den Text lesen will/soll.
Außerdem macht sie mir das Leben schön.

Welches typografische Projekt würdet ihr gerne realisieren?
Ich wollte immer gerne ein Telefonbuch machen. Oder ein Lexikon, ein Chemiebuch, neue Straßenschilder, schönere Supermarktwerbeblättchen, Bankautomatendisplays, einen Grabstein … jedenfalls interessieren mich komplexe typografische Aufgaben. Wenn ich aber wieder einige anstrengende Projekte gemacht habe, sehne ich mich nach einem Roman ohne Abbildungen und Spaltensystem.

Kommentar hinzufuegen April 11th, 2008

3 Fragen an Jan Middendorp

Was ist deine liebste Schrift und warum ist es gerade die?
Das ist für jede Gelegenheit unterschiedlich, so wie bei Musik und Wein. Ich mag Schriften, die so aussehen wie sich der Text anfühlt – aber besser. Das kann Quadraat sein, oder Dolly, oder Strada. Wenn es sachlicher sein soll: TheSans oder Kievit. Ich liebe eigenartige klassizistische Antiquas wie Tyfa Text und Walbaum Text von Storm oder Ruse von Gerrit Noordzij. Heute ist meine Lieblings-Textschrift die neue Marat von Ludwig Uebele. Für headlines: die schmalen, superfetten Varianten von Lucas (ob TheSans, Taz, oder Sun); Sauna Fett Kursiv; Versa Fett Kursiv; Dispatch/Stainless von Cyrus Highsmith. Oft wird die Wahl vom Projekt diktiert. Für ein Buch über Emigration nach Nord-Amerika rundum 1900 habe ich Clarendon und Rhode gebraucht, zusammen mit der neutralen Textschrift TheAntiqua, und dies funktionierte ganz gut. Soll ich aufhören?

Ein Ding noch: ich bin der Frage ein Wenig aus dem Weg gegangen, weil man Schriften nicht fetischieren soll. Nur sehr gute Designer schaffen es, Entwürfe zu gestalten, worin die Schrift alleine die Kommunikation zustande bringt. Meistens braucht man mehr, und bessere, Ideen.

Was macht für dich Typografie aus?
Lesen. Sich in den Benutzer versetzen. Auf Eitelkeit verzichten. Aber wenn angemessen auch: sich trauen laut, frech und witzig zu sein.

Welches typografische Projekt würdet ihr gerne realisieren?
Ein mehrsprachiges Buch über die Welt, heute. Politik, Umwelt, Kultur, Natur in Typografie (und Piktogramm) übersetzt.

Kommentar hinzufuegen April 11th, 2008

3 Fragen an Renate Dölzer und Angelika Götz

Was ist eure liebste Schrift und warum ist es gerade die?
Es gibt nicht die eine Schrift, dazu ist die Auswahl zu groß. Die Schrift ist für uns das Kleid für den Inhalt. Zum Wandern ziehe ich was anderes an als zu einer Beerdigung.

Was macht für euch Typografie aus?
Die Regeln kennen, sich aber nicht immer daran halten.

Welches typografische Projekt würdet ihr gerne realisieren?
Einen Auszug aus dem Kommunistischen Manifest im Handsatz setzen und auf einer entsprechend historischen Presse drucken.

Kommentar hinzufuegen April 10th, 2008

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